Raffinierte Automation­: Ein Roboter bedient gleich vier Drahterodier­maschinen mit palettierten Werkstücken­ (Bild: mrazek)

EROSIONS-SPEZIALIST SETZT AUF SUPPORT DES ANLAGENHERSTELLERS

Erodieren

In der Industrie geht der Trend ungebrochen vom kleinen zum noch kleineren. Mechanische Werkstätten, Dienstleister und Zulieferer müssen sich mehr und mehr vom hundertstel Millimeter verabschieden und neuen Herausforderungen im Mikrometerbereich stellen. Das geht nur mit moderner Anlagentechnik in bestem Erhaltungszustand. Bei seinen Funkenerosionssystemen setzt ein mittelständischer Familienbetrieb voll auf die Service-Partnerschaft mit dem Anlagenhersteller GF Machining Solutions, eine Division der Georg Fischer AG.

„Wir haben uns auf die Herstellung von Zeichnungsteilen mit Genauigkeiten bis herab zu 0,5 µm spezialisiert“, sagt Werkzeugmacher Christian Stumpf, Geschäftsführender Gesellschafter und Vertriebsleiter der scerox Erodiertechnik GmbH in Redwitz a. d. Rodach. Mit derzeit 130 Mitarbeitern betreibt die Firma mehr als 30 Draht­erodiermaschinen, zahlreiche Senkero­diermaschinen sowie mehrere Startlochbohrmaschinen der Firma GF Machining Solutions. Beim Drahterodieren kommen je nach Anforderungen Drähte mit Durchmessern von nur noch 30 µm zum Einsatz, beim Startlocherodieren werden kleinste Durchmesser von 0,05 mm erreicht. 

Für darüber hinaus gehende Bearbeitungsaufgaben steht ein großer Maschinenpark bereit. Dazu gehören sechs Universalfräsen, zwei HSC-Mikrocenter, je zwei Anlagen für das Innen- und Außenrundschleifen sowie zwei Profilschleifmaschinen. Ergänzt wird dies durch das PEM-Verfahren (Precise Electrochemical Machining), welches ebenfalls Genauigkeiten im Mikrometerbereich ermöglicht. Zur Ausstattung gehört selbstverständlich auch hochpräzise Messtechnik zur Qualitätssicherung sowie Software für die Umsetzung von CAD-Daten in CAM-Programme. Alle Maschinen sind durchgehend automatisiert und arbeiten daher im 24/7-Betrieb rund um die Uhr. Dies ermögliche es ihm, am Markt mit wettbewerbsfähigen Konditionen zu bestehen.

Die klimatisierte­ Halle für die Drahterodier­anlagen ist blitzsauber und sorgfältig durchorganisiert (Bild: mrazek)

50 Jahre gute Erfahrungen mit Georg Fischer

„Unsere Erfolgsgeschichte mit GF Machining Solutions begann vor fast 50 Jahren, als ich – damals noch als Mitarbeiter in einem anderen Unternehmen – mit meiner ersten Charmilles D10 Erfahrungen sammeln konnte“, erinnert sich Werkzeugmacher-Meister Hermann Stumpf, Geschäftsführender Gesellschafter und Produktionsleiter der Firma. Im Jahr 2003 gründete er gemeinsam mit seinem Sohn die scerox­ GmbH als klassisches Start­up-Unternehmen in der sprichwörtlichen Garage. Erste Maschine war eine Drahterodieranlage 240cc von Agie Charmilles, mit der Präzisionsteile hergestellt wurden. Von Anfang an spezialisierte sich das Unternehmen auf Aufträge mit hohen Genauigkeitsansprüchen. Mit dieser Strategie konnte man schnell am Markt punkten und seither weitgehend linear bis zur heutigen Größe wachsen, und dies trotz der allgemeinen konjunkturellen Schwankungen. Zugleich wurden auch auf der Werkstoffseite Herausforderungen mit weniger verbreiteten oder schwer zu bearbeitenden Materialien angenommen. Heute verarbeitet scerox routinemäßig neben Stählen, Edelstählen und Aluminium auch exotische Werkstoffe wie Wolfram, Lanthan sowie Hochtemperaturwerkstoffe wie Inconel z.B. für Turbinen. Beliefert werden vor allem Hightech-Unternehmen aus Bereichen wie Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Wehrtechnik oder Maschinenbau, außerdem auch noch die Autoindustrie. Neben Kunden in ganz Europa werden auch Abnehmer in den USA beliefert. 

Konsequente Erneuerungsstrategie

„Angesichts der Qualitätsansprüche unserer Kunden brauchen wir Maschinen, die optimal präzise arbeiten“, verrät C. Stumpf. Deshalb betreibe er bezüglich seiner Produktionssys-teme eine konsequente Doppelstrategie: Einerseits werden die Anlagen regelmäßig vom Service des Herstellers gewartet. Dadurch wird sichergestellt, dass sie weiterhin den ursprünglichen Spezifikationen entsprechen. Darüber hinaus werden ältere Maschinen schon nach sechs Jahren konsequent aus der Produktion genommen und auf dem Gebrauchtmarkt verkauft. Im Unterschied zu Maschinen aus asiatischer Produktion seien solche Anlagen aufgrund ihres immer noch exzellenten Zustands sehr gesucht und erzielten sehr gute Preise. Dank dieser konsequenten Erneue­rungsstrategie könne er bei seinen Kunden mit Genauigkeiten bis herab zu 0,5 µm und feinsten Oberflächen mit Rauigkeitswerten Ra von weniger als 0,1 µm punkten.

Drahterodier­maschinen bilden das Rückgrat der Fertigung (Bild: mrazek)

Vertiefte Erfolgspartnerschaft mit GF Machining Solutions

 „Unser Erfolg hängt entscheidend davon ab, dass wir uns auf unsere Hochpräzisionsanlagen jederzeit verlassen können“, betont H. Stumpf. Über Jahrzehnte hinweg habe sich GF Machining Solutions als Partner bewährt, der nicht nur Anlagen in Spitzenqualität liefert, sondern auch bezüglich Zuverlässigkeit beim Service nichts zu wünschen übrig lasse. Hervorzuheben sei darüber hinaus auch die Reaktionsgeschwindigkeit der in Deutschland angesiedelten Serviceabteilung, die bei Bedarf meist innerhalb von ein bis zwei Tagen vor Ort sei. Und sollte es doch einmal zu Problemen kommen, sei die Unterstützung und Lösungsorientierung bis hin zum Management durchgängig vorhanden und spürbar. 

Um diese Partnerschaft weiter zu vertiefen, hat scerox mit GF Machining Solutions im Juni 2024 Verträge für eine weitere mindestens 5-jährige Partnerschaft unterzeichnet. Vorangegangen seien Tests des neuesten Modells CUT P 350 mit der neuen Uniqa-Steuerung. Diese Versuche seien sehr überzeugend gewesen, insbesondere auch aufgrund der Einfachheit und Bedienerfreundlichkeit der neuen Steuerung. Deshalb sollen in den nächsten drei Jahren mehr als 30 Erodiermaschinen älteren Typs durch dieses neueste Modell ersetzt und zugleich die vorhandenen Kapazitäten erweitert werden. In Redwitz a. d. Rodach entstehe damit eines der größten EDM Kompetenzzentren Europas. Dadurch werde scerox in den nächsten Jahren seine Innovationskraft und Produktionskapazitäten deutlich ausbauen. „Auf diesen Meilenstein sind wir stolz!“, bekräftigt H. Stumpf. 

Autor: Klaus Vollrath b2dcomm.ch